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„Umwege‟ – Jahresausstellung 2020

Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler Südniedersachsen
10.10. – 17.11.2020

Wir laden Sie und ihre Freundinnen und Freunde herzlich ein, unsere Jahresausstellung zu besuchen.
Die virtuelle Eröffnung fand am Samstag, den 10. Oktober 2020 ab 18 Uhr statt und wurde per Video festgehalten.

Hier finden Sie den Ausschnitt aus dem Video zu den Arbeiten von Charlotte Geister:

Das gesamte Video ist hier anzuschauen:

Den Link zum Künstlerhaus Göttingen finden Sie hier.

Die Kunst der Erinnerung

Torhaus-Galerie: Ausstellung mit Werken von Holger Walleck und Charlotte Geister eröffnet

Udo Hinz schreibt im Göttinger Tageblatt am 15.02.2020

Erinnerungen an die Kindheit werden im Alter immer präsenter – das Langzeitgedächtnis ersetzt das Kurzzeitgedächtnis. Die Göttinger Künstler Holger Walleck und Charlotte Geister thematisieren beide seit ein paar Jahren in ihren Werken Erinnerungen aus ihrem Leben. Unter dem Titel „Weit entfernt und doch so nah“ finden sie jetzt zu einer sehenswerten Doppelausstellung in der Torhaus-Galerie zusammen. Am Freitag wurde die Ausstellung im Beisein vieler Kunstinteressierter eröffnet – musikalisch umrahmt von Johanna Diener mit Miniaturen für Solo-Violine.

„In diesen Bildern geht es um Erinnerungen aus der Kindheit, die uns geprägt haben“, so der Göttinger Kunstpädagoge Hans-Jürgen Leffler in seiner Einführung. „Ferne und Nähe lassen sich als eine dialektische
Einheit sehen.“ Die Künstler hätten in einem Gespräch eher zufällig erfahren, dass sie sich mit der gleichen Thematik beschäftigen – da bot sich eine gemeinsame Ausstellung an.

Holger Walleck verrät auf seinen hellen Bildern viel über seine Kindheit: Da taucht die Elbe seines Geburtsorts Hamburg auf, Hund und Katze, Wald, Kleingarten. „Durch das Medium der Kunst werden Erinnerungen vergegenwärtigt – das Malen ist ein Dialog mit dem Bild und mit mir selber“, erzählt Walleck im Gespräch. „Das Collagierte steht bei den Bildern im Vordergrund, die verschiedene Erinnerungen vereinen. Die Bilder sollen auch die Fantasie des Betrachters anregen und eigene Erinnerungen hervorrufen.“

Der Künstler vereint abstrakt wirkende Farbflächen mit figurativen Formen und fügt collagenhaft Textfragmente hinzu. Beispielhaft sein Werk „Schale der Erinnerung“: Um einen großen Kopf mit geschlossenen Augen gruppieren sich skizzenhafte Motive wie Blume, Haus, Hund oder Vogel so wie deutlich lesbar der Satz „Es gibt keinen Weg zurück“ – wie eine rückblickende Quintessenz, das Leben zu akzeptieren, wie es war und ist.

Strukturen aus Nähgarn

Charlotte Geister bringt in ihre Bilder Strukturen aus Nähgarn ein. „Seit zwei Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Erinnerungen und stelle neue Arbeiten vor“, erzählt Geister. „In meinen Bildern arbeite ich mit Schichten, weil auch Erinnerungen wie Schichten übereinander liegen.“

Ihre Serie „Kein Kinderspiel“ setzt sich mit der Kindheit auseinander: Das Bild „Flora“ kombiniert Zeichnungen von Blüten wie in einem Schulheft mit aus Nähgarn gebildeten Linien. Das Bild „ABC“ besteht aus schwarzen Buchstaben, blutroten Nähgarn-Linien, einem durchscheinenden, karierten Papier und einer Kinderzeichnung. Von Poesie durchdrungen ist ihre Serie „Im Versteck“. Die vier Kunstwerke wirken dreidimensional schwebend. Als Basis dient ein mit Gespür für Farben gefärbtes Papier in leuchtendem Rot, dezentem Violett sowie Blau und Grün. Darauf ist ein papiernes Kleid gelegt, dass ein Kind symbolisiert. Darüber ist eine Schicht aus transparentem Organza-Gewebe gelegt, in das florale Formen wie Blätter und Blüten gestickt sind. Eine Kunst gewordene Geschichte, die davon erzählt, wie sich ein Kind hinter Jasmin-Pflanzen versteckt.

Objekte ergänzen Bilder

Beide Künstler ergänzen ihre Bilder durch Objekte. Geister zeigt beispielsweise ein von der Decke hängendes „Wolkenkuckucksheim“ aus Holz, Federn, Papier und Zinnfiguren. Walleck präsentiert Fundgegenstände auf einem Kalksandstein. Zum Beispiel symbolisieren eine Kartoffel und eine Rohrzange sein Vater-Sohn-Verhältnis.

Die Werke der beiden Künstler berühren den Besucher der Ausstellung: Plötzlich tauchen eigene Kindheitserinnerungen auf. Die große Kunst dieser Bilder ist es, den Betrachter auf einer emotionalen und persönlichen Ebene zu erreichen.

Info Die Ausstellung ist bis zum 15. März 2020 zu.sehen in der Torhaus-Galerie, Kasseler Landstraße 1, Göttingen.
Öffnungszeiten: freitags bis sonntags, jeweils von 15 bis 17 Uhr.

ZUM FOTO: Ausstellungseröffnung in der Torhaus-Galerie: Einführung von Hans-Jürgen Leffler (l.) mit Johanna Diener (Musik) sowie Holger Walleck und Charlotte Geister (v.l.).
FOTO: RICHTER

„Weit entfernt und doch so nah“

Ausstellung vom 14.02.–15.03.2020 in der Torhaus-Galerie in Göttingen

Charlotte Geister & Holger Walleck

Gemeinsam stellen Charlotte Geister und Holger Walleck ihre Arbeiten aus: Gemälde, Assem­blagen, Objekte. Und gemeinsam ist ihr Anliegen: ein Nachgehen der Frage nach dem, wie sie geworden sind, was sie ausmacht und dem, wer sie eigentlich sind.

aus dem Programm-Flyer der Torhaus-Galerie

Öffnungszeiten
während der Dauer der Ausstellung:
Freitag – Sonntag: 15.00 – 17.00 Uhr

Hier geht es zur Seite der Torhaus-Galerie

Hier gibt es das Programm von 2020 als pdf-Datei

Zum Artikel im Göttinger Tageblatt

Torhaus-Galerie in Göttingen: Programm für 2020 steht fest

aus dem GT-Göttingen vom 28.12.2019
Die Torhaus-Galerie liegt direkt neben dem Stadtfriedhof in Göttingen. Quelle: Swen Pförtner

Die Torhaus-Galerie in Göttingen bietet stets ein vielfältiges kulturelles Programm – auch im Jahr 2020: Kunst-Ausstellungen und Konzerte werden in den Räumlichkeiten Platz finden.
In der Torhaus-Galerie an der Kasseler Landstraße finden Kunstschaffende Raum, um sich zu präsentieren: Regelmäßig werden Ausstellungen in der Galerie ausgerichtet sowie Konzerte organisiert. Die Torhaus-Galerie befindet sich am Stadtfriedhof und ist Partner des Göttinger „Verschönerungsvereins“.

Während der Ausstellungen ist die Galerie von Freitag bis Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Konzertkarten sind vier Wochen vor dem jeweiligen Auftritt bei der Tourist-Information im Alten Rathaus erhältlich. Das Programm für das Jahr 2020 steht nun fest. Die Galerie kündigt die folgenden Kunst-Ausstellungen und Konzerte an:

Februar und März
Holger Walleck und Charlotte Geister „Weit entfernt und doch so nah“
Gemeinsam stellen Charlotte Geister und Holger Walleck ihre Arbeiten von Freitag, 14. Februar bis Sonntag, 15. März aus: Besucher sollen Gemälde, Assemblagen und Objekte betrachten können. Gemeinsam sei auch Geister und Wallecks Anliegen: ein Nachgehen der Frage nach dem, wie sie geworden sind, was sie ausmacht und dem, wer sie eigentlich sind.

Göttinger konnten die Kunst von Charlotte Geisters bereits im Künstlerhaus an der Gotmarstraße betrachten. Quelle: Peter Heller

Hier der Link zum GT

Zwischen Bewusstem und Unbewusstem

GT-Göttingen vom 25.03.2016

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor. Heute: Charlotte Geister.

Stuckdecken, knarzender Parkettboden, hohe Fenster. Eine schöne Altbauwohnung in der Südstadt. In einem Raum sind vier Staffeleien aufgestellt, weitere in einer Ecke gestapelt. In der Mitte steht ein großer Tisch mit Stühlen, vor dem Fenster ein Tapetentisch.
Schälchen mit Aquarellfarbresten sind Überbleibsel eines Malkurses. Im Zimmer nebenan liegen Knäule von Stickgarn auf einem Tisch. Daneben steht eine Nähmaschine. Kleber, Schere und eine Vielzahl an Stiften sind griffbereit.

Schichten und Zwischenräume
Der Blick des Besuchers fällt auf vier kleine Collagen. Eine Serie mit aktuellen, minimalfarbigen Werken, die an einer Wand hängen. Filigrane Hemdchen sind auf Papier gearbeitet. Aus unterschiedlichen Materialien, gefaltet, bestickt, geschnitten. Seit gut zwei Jahren setze sie Organza ein, ein hauchdünnes Textilgewebe, erklärt Charlotte Geister (62). „Das ist transparent und scheußlich zu verarbeiten.“ Vor allem aber passt das Stoffgewebe zur Intention der Kompositionen. „Es schafft Schichten und Zwischenräume, innere Gestimmtheiten.“ Jedes Hemdchen steht für eine Hülle, die verletzt worden ist, gebrochen, verwandelt.

Nach dem Studium an der Freien Kunststudienstätte Ottersberg kam die gebürtige Düsseldorferin 1988 nach Göttingen. Von 1993 bis 1995 organisierte sie die Ausstellungen in der Galerie Apex. Ehedem Mitglied im Vorstand des BBK-Bezirksverbands Südniedersachsen, initiierte sie vor gut zehn Jahren mehrere „Mini-Kunstmärkte“ zu den Händel-Festspielen mit. Neben ihrer Tätigkeit als Kunstlehrerin an der Waldorfschule und als freie Künstlerin gibt Geister Mal- und Zeichenkurse.

„Mir ist wichtig, dass ich mit meinen Arbeiten etwas beim Gegenüber auslöse. Etwas Witziges, Betroffenheit, etwas Subtileres, vielleicht auch Erinnerungen. Mit meinen Arbeiten würde ich gerne eine Schicht erreichen, die schlummert“, erklärt Geister. Im Mittelpunkt stehe dabei „die Frage der Verletzungen und die Schnittstelle von Bewusstem und Unbewusstem“. Auch gehe es ihr um „eine Doppeldeutigkeit, dass das Offensichtliche nicht immer das ist, was dann wirklich darunter liegt“. Überhaupt arbeite sie „eigentlich immer mit Schichten, immer etwas Zusammengesetztes, meistens Collagen“ und stark in Serien.

Inspiration durch Material
„Ich bin ein ausgesprochener Papier-Freak“, sagt Geister. Ständig sammele sie Papiere von Obsttüten bis zu Plakaten. So kommen Inspiration und Ideen auch stark vom Material her. „Von dem, was es ausstrahlt, wenn man es mit anderem kombiniert und wie widerständig es ist.“ Zudem kommen Textilien und Garne zum Einsatz. Viel Genähtes, Besticktes, Geklebtes und untergeordnet auch Zeichnungen. So beschreibt Geister ihre Arbeitsweise.

Bei den Schichtungen mit Papier und anderen Materialien „würde ich gerne noch viel mehr ausprobieren“, sagt die Künstlerin, die auch gerne unterschiedliche Ausstellungsmöglichkeiten wahrnimmt. Größere Formate will sie künftig angehen, aber auch Künstlerbücher, „Unikate, die über illustrierte Bücher hinausgehen“, würde sie gerne häufiger gestalten.
Von Karola Hoffmann

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